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Fernerkundung # 27

 

Diese Rätsel wurde nicht gelöst.

Aufgabe »

Wir bleiben diese Woche noch im Weltraum. Das Foto zeigt die amerikanische Astronautin Shannon Lucid an Bord der russischen Mir-Raumstation am 28.3.1996. Wer genau hinschaut erkennt an der Wand überhalb des Kopfes von Shannon das Foto von einem Astronauten mit Helm. Den suchen wir nicht – es handelt sich um den jungen Juri Gagarin. Uns interessiert das kaum erkennbare, abgeschnittene Foto rechts davon!

Unsere Frage lautet:
Wer ist die darauf abgebildete Person? Und damit nicht wild herumgeraten wird, wollen wir auch noch wissen, welche Kopfbedeckung diese Person auf dem Originalfoto trägt.

Tipp »

Die gesuchte Person ist eine Legende der Raumfahrtgeschichte.

Auflösung »

Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski – er trägt auf dem Originalfoto keine Kopfbedeckung.

Soviel ist klar: auf unserem Suchbild ist das Foto kaum zu erkennen, eine Identifizierung ist da ausgeschlossen. Die Suche muss sich also zunächst auf eine bessere Version des Bildes konzentrieren. Die normale Bildsuche findet eine hochauflösende Version des Originals bei der englischen Wikipedia oder im schon letzte Woche besprochenen GRIN-Fotoarchiv der NASA. Darauf lässt sich ein wohl etwas älterer, grimmig wirkender Mann mit Rauschebart erkennen. Leider ist das Foto unterhalb der Augen abgeschnitten und die Bildunterschrift lässt sich auch nicht entziffern. Und damit wurde mein Jagdinstinkt erst recht geweckt...

Es gibt viele Möglichkeiten, solch eine Aufgabenstellung anzugehen. Da wäre zum Einen die Suche nach weiteren Bildern der Mir-Raumstation oder der Versuch, die Bildunterschrift mittels Bildverarbeitung lesbar zu machen. Das Foto von Juri Gagarin legte aber den Gedanken nahe, dass an dieser Stelle in der Mir wohl verdiente Veteranen der russischen Raumfahrt geehrt werden und so versuchte ich mein Glück zunächst mit einer Google Bildersuche über die Begriffe „Raumfahrt Pionier Russland“. Und als in der Trefferliste mehrere Abbildungen von Ziolkowski auftauchten, war ich überzeugt darin den Vollbart und die charakterischen Mundwinkel des Suchbildes zu erkennen. Die exakt gleiche Fotografie war allerdings nicht zu finden – und nur diese kann wirkliche Sicherheit geben.

Für die Lösung bedurfte es eines weiteren Tricks: ich kopierte Ziolkowskis Namen in der kyrillischen Schreibweise aus einem Wikipedia-Artikel und verwendete ihn als Bild-Suchbegriff im russischen(!) Google (google.ru). Und siehe da, jetzt gibt es gleich mehrere Treffer mit dem richtigen Foto – in der besten Auflösung auf einer Webseite auf der ich kein einziges Wort lesen kann. Klar ersichtlich ist aber, dass unser Protagonist keine Kopfbedeckung trägt.

Es ist eine wichtige Erkenntnis, dass Google-Suchen keine absoluten Ergebnisse liefern. Google setzt sehr stark darauf, die Suchergebnisse an den Benutzer angepasst („profiliert“) auszugeben. Dies geschieht nach völlig willkürlichen und unbeeinflussbaren Regeln und stellt für den forensischen Benutzer ein gewichtiges Problem dar, das umfangreiche Gegenmassnahmen erfordert – vom kreativen Umgang mit Ländervarianten der populären Suchmaschine (wie in unserem Beispiel), bis zur bewussten aufwändigen Verwaltung von Google-Einstellungen, Cookies, Zählpixeln und anderen Tracker-Plagen. Eli Pariser hat eine gut verständliche und sehr schockierende Einführung zu diesem Thema geschrieben, die hiermit allen ambitionierten Fernerkundern empfohlen sei: „Filter Bubble: Wie wir im Internet entmündigt werden.

Nun aber zurück zu unserem Raumfahrthelden: Ziolkowski war eine Art moderner Leonardi da Vinci. Er verfasste nicht nur zahlreiche Science-Fiction-Erzählungen, sondern löste um die Jahrhunderwende theoretisch mehrere Probleme der Raumfahrt, etwa das Prinzip des flüssigen Raketentreibstoffes oder der Mehrstufenrakete. Er sagte den Beginn der Raumfahrt für 1950 voraus (tatsächlich beginnt die Raumfahrtgeschichte mit dem Sputnik-Start im Jahre 1957), und den ersten bemannten Raumflug prognostizierte er für das Jahr 2000. Da war er zu pessimistisch – bereits 1961 umrundete sein Landsmann Juri Gagarin die Erde in der Wostok 1. Im Juni 2000 kehrten die letzten Astronauten aus der Mir zur Erde zurück. 9 Monate später wurde die Mir kontrolliert zum Absturz gebracht – nach 14 Jahren im Weltall.