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Fernerkundung # 10

 

Dieses Rätsel wurde nicht gelöst.

Aufgabe »

Dieses Foto zeigt ein laufendes GPS-Gerät auf einer Kote.

Unsere Frage lautet:
a) Wie heisst das Gebäude an dem die Aufnahme gemacht wurde?
b) Wie hoch (über dem Meeresspiegel) ist die Unterkante des GPS-Geräts?

Tipp »

Die Lösung findet sich nur in amtlichen topografischen Karten.

Auflösung »

a) St. Michael in Kochel am See.
b) 605 Meter.

Zumindest der erste Teil unserer Recherche-Aufgabe sollte keine grundsätzlichen Probleme bereiten: das GPS-Gerät zeigt gut sichtbar seine Position an, diese kann in GoogleEarth direkt für einen Wegpunkt eingegeben werden, oder — noch einfacher — am unteren Bildschirmrand abgelesen werden (sofern im Menu „Ansicht“ die Option „Statusleiste“ aktiv ist). Eine Gemeinheit habe ich hier aber doch eingebaut, denn es gibt unterschiedliche Notations-Systeme um geografische Koordinaten als Winkel zu beschreiben. Innerhalb der Computer-Programmierung werden geografische Daten einfach als Zahlen mit Nachkommastelle behandelt, die geografische Breite unserer Aufgabe schreibt sich dann „47.658967°“ und das Vorzeichen bestimmt die Richtung des Winkels: positive Zahlen stellen eine nördliche Breite dar, negative eine südliche. Die klassische Wiedergabe von geografischen Daten, wie sie den meisten von uns geläufig ist, stellt den Winkel allerdings in Grad, Minuten und Sekunden dar, im Falle der von uns vorgegebenen geografischen Breite: „47°39'32.28"N“. Hier gibt es kein Vorzeichen und die Angabe für Nord/Süd muss explizit angegeben werden. Es gibt noch eine ganze Menge weiterer Notations-Standards und manche sind noch nicht einmal am Winkel orientiert, wie beispielsweise das UMT-System. Natürlich gibt es praktische und historische Gründe für diese Bandbreite an Notations-Systemen, aber für den kartografischen Laien sind diese erst einmal sehr verwirrend. Auf unserem Rätselfoto habe ich meinen GPS-Empfänger auf die Darstellung in ganzen Grad und Dezimal-Minuten eingestellt (d.h. die Sekunden werden nicht als Ganzzahl, sondern als Nachkommastelle der Minuten gezeigt). Aber keine Angst: es ist nicht erforderlich diese Angaben mühsam umzurechnen, sondern man kann in GoogleEarth die zur Quelle passende Notation vorgeben: einfach im GoogleEarth-Einstellungs-Dialog im Kasten „Breite/Länge anzeigen“ die Option „Grad, Dezimalminuten“ anklicken!

Jetzt ist die Ermittlung des gesuchten Gebäudes ein Kinderspiel. Es handelt sich um die Kirche St. Michael in Kochel am See! Was hat es aber nun mit der „Kote“ auf sich? Dabei handelt es sich um einen Fachbegriff der Vermessung — eine Kote ist ein Höhenbezugspunkt. Bei der Vermessung eines Landes werden nicht nur Messpunkte in Bezug auf Längen- und Breitengrad gesetzt, sondern die Messpunkte werden auch in ihrer Höhe genau bestimmt. Innerhalb von Ortschaften ist es beim Neubau von Häusern nun erforderlich, dass der Bauherr einen exakten Höhenbezugspunkt für seinen Baugrund festsetzt, an dem sich die Handwerker bei der Bauausführung orientieren können. Schliesslich soll das neue Gebäude an bestehende Infrastruktur angeschlossen werden. Insbesondere die Verbindung zum Kanalsystem erfordert eine genau Berücksichtigung der Höhe, um das korrekte Gefälle der Abwasser-Rohre zu gewährleisten. Damit nun die Höhenbestimmung bei solch einem lokalen Bauvorhaben einfach ermittelt werden kann, wird in allen Ortschaften (und natürlich auch Städten) mindestens ein amtlicher Höhenbezugspunkt eingemessen, von dem man später mit Hilfe eines Nivelliergeräts die Höhendistanz zum eigenen Grundstück messen kann. Zum Setzen dieses Höhenmesspunktes suchen sich die amtlichen Vermessungsexperten ein besonders stabil gebautes, grosses Gebäude im Ort und dafür ist — zumindest in Bayern — meistens die Kirche prädestiniert. An der Aussenfassade wird dann ein runder Stahlnagel eingemauert, dessen oberer Tangentialpunkt ganz exakt einem — in der Regel ganzzahligen — Höhenwert entspricht: die „Kote“.

Dieser Höhenwert wird nun in den amtlichen topografischen Karten vermerkt. Dort steht dann unmittelbar neben dem Kirchensymbol die Höhenangabe als kleine Zahl in runden Klammern. Lange Zeit dachte ich, dass sich diese Höhenangabe auf die Höhe an der Spitze des Kirchturmes bezieht, bis ich schliesslich von einer Fachfrau eines Besseren belehrt wurde. Es ist nun aber nicht erforderlich die amtliche topografische Karte von Kochel zu erwerben (die vom Bayerischen Vermessungsamt unter der Nummer 8334 im Masstab 1:25000 angeboten wird), sondern glücklicherweise steht das Kartenmaterial auch online im „BayernViewer“ zur Verfügung. Suchen Sie dort Kochel am See und zoomen Sie weit genug in die Karte hinein um die Details erkennen zu können. Da der Platz auf der Karte zu begrenzt war, um die Höhenangabe neben das Kirchensymbol zu quetschen, und auch um die Gefahr einer Verwechslung mit einer nahe gelegenen evangelischen Kirche zu verhindern, haben sich die Kartengestalter bei Kochel entschlossen, die Höhenangabe direkt unter den Ortsnamen zu setzen, was sich dann wie folgt liest: „(605 kath Kirche)“. Immer wenn Sie in einer topografischen Karte eine Höhenangabe in runden Klammern direkt am Ortsnamen sehen, bezieht sich das auf einen Höhenmesspunkt an der Aussenseite der örtlichen Hauptkirche.

Mein Vorschlag für den nächsten Sonntags-Spaziergang: finden Sie den amtlichen Höhenbezugspunkt in Ihrer Ortschaft!