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Fernerkundung # 7

 

Dieses Rätsel wurde nicht gelöst.

Aufgabe »

Vom Meer geht es in die Luft. Diese Woche vertiefen wir ein wenig die bislang erlernten forensischen Tricks.

Unsere Frage lautet:
a) Nach welchem Tier ist der Ort benannt, von dem aus das Foto aufgenommen wurde?
b) Am äussersten rechten Bildrand ist eine rotleuchtende, senkrechte Struktur zu erkennen. Um was handelt es sich?
c) Wie weit ist diese gesuchte rote Struktur von der Position des Fotografen entfernt (es muss nicht sehr genau sein, ich denke so an plus/minus 200 Meter)?

Tipp »

Untersuchen Sie das Bild in der höchstmöglichen Auflösung.

Auflösung »

a) Koyote
b) Sutro Tower
c) 26,19 Kilometer

Mit der Lokalisierung des Fotografen-Standortes hatten die Leser diese Woche erwartungsgemäß keine Schwierigkeiten. Mit der Google-Bildersuche konnte das Foto schnell dem Fotografen Terence Chang und seinem Flickr-Account zugewiesen werden. Die exakte Position des Fotografen ist dort in den Metadaten des Bildes enthalten: an der Auffahrt der San Mateo Bridge an einem Fußgänger-Weg names „Little Coyote Point“. Um diese Ortsbezeichnung zu ermitteln, ist es notwendig in den Ebenen-Einstellungen von GoogleEarth die Option „Straßen“ einzuschalten.

Terence Chang hat sich auf Langzeit-Belichtungen und HDR-Fotomontagen spezialisiert. Seine Nachtaufnahmen des San Francisco International Airport sind beliebte Forschungsobjekte bei digitalen Forensikern. Er operiert in der Regel aus grossen Distanzen mit starken Teleobjektiven. Die oben vorliegende Aufnahme zeigt die Lichtspuren landender Flugzeuge auf die Landebahnen 28L und 28R am 10. März 2009. Die Lichtpunkte kommen durch die Stroboskop-Lampen an den Flügelspitzen zustande. Terence Chang hat mehrere solcher Aufnahmen übereinander kopiert, da eine einzelne Langzeitbelichtung über den gesamten Zeitraum zu starken Überbelichtungen führen würde.

Probleme bereitete unseren Lesern die Identifikation des rot erleuchteten Turms am rechten Bildschirmrand — manch Leser liess sich hier leichtfertig dazu hinreissen, den südlichen der beiden Türme der Golden Gate Bridge anzunehmen. Dabei hätte ein Blick auf die höchste verfügbare Auflösung der Aufnahme im Flickr-Account von Terence Chang gezeigt, dass die Erscheinung des Turmes gar nicht mit der berühmten Brücke aus San Francisco zusammenpasst. Vielmehr weist sie eine auffällige X-förmige Struktur auf. Es handelt sich um den Sutro-Tower, einen beinahe 300 Meter hohen Sendeturm. Wegen der Nähe zum Flughafen von San Francisco wird der Turm nachts besonders aufwändig illuminiert. Im Luftbild-Befund ist dieser Turm sehr unscheinbar, aber die 3D-Gebäude-Option in GoogleEarth lässt ihn prominent hervortreten — exakt an der Stelle auf der er im Foto zu sehen ist. Die Golden Gate Bridge hingegen verschwindet aus dieser Distanz hinter den Hügeln von San Francisco.

Für die Entfernungsmessung gibt es im Tools-Menu von GoogleEarth die Lineal-Funktion. Damit lässt sich die Distanz zwischen zwei Punkten auf der Weltkugel ermitteln und zwar über die Erdoberfläche hinweg. Während der Messung kann die Karte weiterhin gezoomt und gescrolled werden und ein Einheitenumrechner ist auch gleich integriert. Die Distanz-Messung wird in zukünftigen Fernerkundungen noch eine wichtige Rolle spielen. So kann man etwa — mit entsprechenden Listen ausgestattet — aus der Vermessung von Länge und Spannweite den Typ eines von oben abgebildeten Flugzeuges bestimmen.

Das grösste Problem für mich stellte übrigens der im Bild-Vordergrund sichtbare Landstreifen dar. Dieser ist auf keinem Luftbild erkennbar und auch unterschiedlichste Perspektiven mit GoogleStreetView von der Uferlinie und der San Matteo Bridge brachten keine Auflösung. Es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, dass der Streifen in der Nähe des Little Coyote Point nur bei Ebbe zutage tritt.