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Fernerkundung # 4

 

Dieses Rätsel wurde nicht gelöst!

Aufgabe »

Spitze Dächer vor blauem Himmel sind seit der Fernerkundung von letzter Woche kein Problem mehr? Weit gefehlt, das Rätsel dieser Woche wird Sie ins Schwitzen bringen!

Unsere Frage lautet:
Wie lauten die geographischen Koordinaten der oben abgebildeten Struktur?

Tipp »

Die Lösung ist nicht im Internet zu finden!

Auflösung »

08°18'46.44" N
034°04'40.93" E

Zugegeben, die Aufgabenstellung war etwas fies: nachdem wir in den letzten Wochen gelernt haben, vorhandenes anonymes Bildmaterial durch verschiedene Suchtechniken im Internet zu identifizieren, wollten sich beim aktuellen Suchbild einfach keine Treffer einstellen. Der Grund ist einfach. Es handelt sich um ein Privatbild, das niemals auf einer Webseite veröffentlicht worden ist. Folglich müssen alle Bildsuch-Strategien scheitern.

Wie nun aber an die Positionsdaten gelangen? Es ist an der Zeit, dass wir in das Thema Metadaten einsteigen. Grundsätzlich können in elektronischen Bild-Dateien zusätzliche, beschreibende, textliche Informationen eingebettet werden. Es gibt mehrere Standards hierfür und die drei Wichtigsten werden auch in künftigen Fernerkundungen immer wieder eine Rolle spielen: da sind zunächst die EXIF-Daten, die in aller Regel direkt von den digitalen Foto-Apparaten in die Bild-Dateien hineingeschrieben werden. Zu diesen Daten zählen Angaben über den genauen Zeitpunkt der Aufnahme (sofern die Uhr in der Kamera korrekt gestellt war), Kameratyp (bisweilen mit der Seriennummer des Apparats!), sowie Details zur Fotographie wie Verschlusszeit, Blende, ob der Blitz ausgelöst hat und wie die Kamera gehalten wurde (diese Information ermöglicht zum Beispiel später das automatische Rotieren von Bildern im Computer). Dann gibt es die IPTC-Daten, die überwiegend von Nachrichten- und Foto-Agenturen befüllt werden und Angaben über den Fotographen, Urheberrechte und meistens eine Bildbeschreibung enthalten. Schliesslich hat noch der XMP-Standard eine grosse Verbreitung, er vermerkt vorzugsweise Informationen über die technische Verarbeitung der Datei, z.B. welches Bildbearbeitungsprogramm benutzt wurde und welche Farbprofile zur Anwendung kommen. Alle drei Standards können nebeneinander in einer einzigen Bilddatei existieren und sich dabei in den Angaben sogar überschneiden, da jeder Standard jedwede Information speichern kann. Metadaten in digitalen Fotos sind daher manchmal ein bisschen chaotisch, aber immer sehr aufschlussreich.

Geographische Ortsangaben können nun ebenso wie alle anderen Metadaten im Bild eingebettet werden. Das geschieht manchmal ganz automatisch, wenn nämlich der Foto-Apparat ein eingebautes GPS besitzt (das ist bei vielen modernen Digital-Kameras der Fall, insbesondere auch bei Mobil-Telefonen mit eingebauter Kamera, wie dem iPhone). Ansonsten können Ortsdaten mit geeigneter Software auch manuell oder über gespeicherte Tracks eines externen GPS-Empfängers nachgepflegt werden.

Wie kommt man als Forensiker nun an diese Daten heran? Ganz einfach: das Bild auf die lokale Festplatte herunterladen und dann mit einem geeigneten Programm die Metadaten einsehen. Am Macintosh geht das z.B. ganz einfach mit dem Programm „Vorschau“: Bild öffnen, im Menu "Werkzeuge" die Option "Informationen einblenden" aufrufen, den Reiter "Weitere Informationen" anklicken und dann auf "GPS" schalten. Fast noch einfacher und Betriebssystem-unabhängig ist das Firefox-Addon "Exif Viewer", das zuverlässig alle Metadaten von eigenen Bildern oder Internet-Bilddateien auflistet.

Nun aber endlich zur Auflösung des Motivs: zu sehen ist der Dachaufsatz einer Hütte des Nuer-Stamms, nordwestlich von Gambela in Äthiopien. Es handelt sich um eine für diese Nomaden typische Dachkonstruktion, die Rinderhörner symbolisiert und gleichzeitig das Strohdach regendicht abschliesst. Unser fleissiger Leser Steffen Kirchner hat uns das Bild freundlicherweise aus seinem Privatfundus zur Verfügung gestellt. Und da Sie das Prinzip der Metadaten jetzt verstanden haben, können Sie ja mal nachsehen, wann Herr Kirchner sich in Äthiopien aufgehalten hat! Seine Kamera war übrigens, wie aus den Metadaten ersichtlich, eine Panasonic DMC-TZ22 - und die ist in der Lage die Fotos automatisch mit der GPS-Position zu versehen.