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Fernerkundung # 3

 

Diese Aufgabe
wurde zuerst am 15.1.2012
um 21:57 Uhr
von Pamela Aidelsburger
aus Attenham gelöst (±57m) — am genauesten aber (±4m) am 16.1.2012 um 14:21 von Steffen Kirchner aus Berlin.
Gratulation!

Aufgabe »

Nachdem wir uns in den letzten beiden Fernerkundungen mit den Grundlagen der Google Bildsuche beschäftigt haben, wird diese Woche geographische Präzision gefordert.

Unsere Frage lautet:
Wie lauten die geographischen Koordinaten der oben abgebildeten Struktur? Wir wollen die Angabe sehr genau haben, so ungefähr auf ± 50 Meter.

Tipp »

Für die geforderte Präzision ist GoogleEarth erforderlich.

Auflösung »

45°30'48.50" N
073°31'31.60" W

Auch wenn das Suchbild dieser Woche wie ein abstrakt-kubistisches Kunstwerk anmutet — unsere Leser liessen sich nicht ins Bockshorn jagen und ermittelten über die Google Bildersuche korrekt, dass es sich um den Ausschnitt eines Fotos vom kanadischen Zellulose- und Papier-Pavillon auf der Expo 1967 in Montreal handelt. Ein Pavillon der uns mit seinem Wald aus grün gefärbten Papier-Kegel-Bäumen einfach begeistert hat. Der höchste Baum des Pavillons (die dunkelgrüne hohe Spitze links in unserem Bildausschnitt) soll die Höhe eines achtstöckigen Hauses besessen haben. In vier grossen Ausstellungsbereichen informierte die kanadische Papier-Industrie über Wald-Legenden aus aller Welt, die Geschichte des Papiers, die industriell-chemischen Aspekte der Zellulose-Verarbeitung und schliesslich die Bedeutung der kanadischen Papier-Industrie für die globale Ökonomie. Der Vorplatz wurde von kanadischen Papier-Künstlern genutzt.

Wenn sich die Motiv-Suche nun auch nicht besonders schwierig erwies, so ist die möglichst genaue Präzisierung des Pavillons doch mit einigen Fallstricken versehen. Das Expo-Gelände auf der Ile Notre-Dame bei Montreal hat nämlich seit 1967 umfangreiche Veränderungen durchgemacht. Mehrfach wurde das Gelände für andere Ereignisse, darunter eine Olympiade, vollständig umgewandelt. Kanäle wurden geschlossen oder gegraben, eine gewaltige Regatta-Strecke gebaut und Strassen verlegt. Es ist äussert spanned, hier einmal die GoogleEarth-Funktion zu benutzen, die es erlaubt durch historische Luftbilder in die Vergangenheit zu sehen. Schön kann man hier die stetige Umnutzung des Areals verfolgen. Leider nicht bis ins Jahr 1967 zurück.

Zunächst ist es erforderlich die Lagepläne und Standverzeichnisse der Expo zu ermitteln. Dies gelingt ohne grössere Probleme mit der normalen Netz-Recherche und ergibt die Pavillon-Number 482 auf der Ile Notre-Dame. Die Position des Pavillons ist gut auf der offiziellen Expo-Karte zu erkennen und die Aufgabe scheint schon fast gelöst. Wegen der oben erwähnten zwischenzeitlichen Veränderungen des Geländes ist aber die Lokalisierung im Kartendienst gar nicht so einfach. Manche Einsender haben hier mit dem Lineal auf dem Bildschirm Bezugslinien konstruiert, andere intuitiv ihren Ortspunkt gesetzt. Auf diesem Weg wurde die höchste Annäherung mit 57 Metern zum Mittelpunkt des Pavillons erzielt.

Aber wenn wir im Rätsel nach sehr hoher Präzision fragen, dann haben wir natürlich noch einen Hintergedanken dabei. In diesem Rätsel ging es uns darum, die Bild-Overlay-Funktion von GoogleEarth zu vermitteln. Diese erlaubt es, eine Bilddatei direkt in GoogleEarth zu laden und über das Luftbild zu legen. In unserem Fall muss also zunächst der Expo-Lageplan auf die lokale Festplatte gespeichert werden, dann wird in GoogleEarth ein neues Bild-Overlay erstellt (Hinzufügen>Bild-Overlay), unter "Link" wird mit der Taste "Durchsuchen..." der Lageplan von der Festplatte ausgewählt und die Transparenz für die bessere Einpassung eingestellt (ich habe eine Transparenz von ungefähr 65% gewählt). Nach dem Quittieren des Bearbeitungsfensters muss jetzt die Karte ins Luftbild eingepasst werden, ein etwas fummeliger Vorgang in dem man die Karte mehrfach skaliert, dreht, staucht und zieht, bis sie perfekt ins unterliegende Luftbild passt. Der Lohn der Mühe: die Position des Pavillons 482 lässt sich nun auf den Meter genau ablesen.

"Papier [...] ist das wichtigste Werkzeug des Menschen um seine Gedanken aufzuzeichnen." formulierten die Erbauer des Canadian Pulp and Paper Pavilion ihre Vision der Bedeutung des Waldes für die Menschheit. Heute, 45 Jahre später, könnte dieses Paradigma seine Gültigkeit verlieren.